Wer ist diese Frau, die mit ihren vielseitigen und seltenen Fähigkeiten kleine wie auch etwas gereiftere Zuschauer verzaubert?
Maria Mägdefrau ist eine Künstlerin, die ein gelerntes „Handwerk“ mit ständig sprudelnder Inspiration verbindet und sich dadurch stets weiterentwickelt (gerade erzählte sie mir von einer sehr bildhaft veränderten Szene der Inszenierung von „Hähnchen und Hühnchen“, die ich doch erst vor kurzem gesehen habe.
Geboren ist sie in Berlin-Weißensee, hat die Schauspielschule absolviert und sich später neben dem Beruf über ein Fernstudium auch die theoretischen Grundlagen der Theaterwissenschaften angeeignet. Aber eigentlich findet sie, dass Theater mehr aus Praxis und Erfahrung lebt.
Im Hauptberuf war sie Schauspielerin am „Erwachsenen“ Theater, hat aber zusätzlich und kontinuierlich quasi als Hobby in Arbeitsgemeinschaften mit Kindern zusammen Märchen entwickelt und aufgeführt. Für die professionelle Bühne inszenierte sie bekannte Märchen wie „Rotkäppchen“, „Die verzauberten Brüder“ und „Die Schneekönigin“.
Als es sie dann 1986 wieder nach Berlin zog, war die Situation anfangs sehr schwierig, denn plötzlich fand sie sich als arbeitslose und freischaffende Schauspielerin wieder. Da entdeckte sie in der Wilmersdorfer Hildegardstraße, nur wenige Meter von ihrer Wohnung entfernt, das KUMULI eine gemeinnützige frei Kunstschule, 1979 von Lehrer und KünstlerInnen gegründet, mit einem vielseitigen Angebot an Kursen, vorwiegend für Kinder. Was lag also näher, als dort ihre Theateraufführung anzubieten? Schließlich wurde das KUMULI am Wochenende bis dahin nicht genutzt.
Bis heute sind dort acht Inszenierungen über die Bühne gegangen. Ihrem Konzept bleibt die Mägdefrau dabei immer treu. Musik ertönt ausschließlich von Instrumenten direkt, schließlich will sie ja auch Gegenpol zu Radio und Fernsehen sein. Und es gibt keine Tricks aus dem Zauberkasten: Alles, was sie macht, ist transparent; die Kinder sollen doch alles nachspielen können. Sie hat vielseitige Ideen, die Kinder ins Stück einzubeziehen, als kleine Musikanten und heulende Wölfe, und im „Kleinen Prinzen“ werden sie gar in ein summendes Rosenfeld verwandelt.
Als einen ganz wichtigen Teil ihrer Arbeit betrachtet sie die direkte Zusammenarbeit mit Kindern. Gern führt sie Kindertheaterworkshops durch, u.a. auch an Schulen. So ist die Inszenierung des Märchens von „Hähnchen und Hühnchen“ ursprünglich aus einer Projektwoche mit Kindern in Zusammenarbeit mit einer weiteren Künstlerin hervorgegangen. Da konnten die Kinder sich kreativ entfalten, selbst Masken herstellen und in die Rolle der Tiere und anderer Figuren schlüpfen.
Auf die Frage nach den Auswirkungen der Sparmaßnahmen im Kultur- und Jugendbereich, sagt Maria Mägdefrau, für sich allein wolle sie hier gar nicht sprechen. Sie empfinde sich schließlich als kleinen Teil einer ganzen Kindertheaterlandschaft, die als Ganzes bedroht sei. Und dass damit eine bedeutender Teil der Kreativität und Phantasie in den Kindern im Keim erstickt würde, dagegen solle jeder etwas tun.
Quelle: SpielArt Uschi Hainz